Mag. Helga Fiala

GEDANKEN

Von Zeit zu Zeit möchte ich hier Auszüge aus meinen Gedanken bzw. Predigten veröffentlichen.

Musikalische Adventvesper am 26. 11. 2011 in der Evangelischen Kirche zu Steyr
Adventgedanken

Da bin ich Herr und möchte dich empfangen. Ich weiß aber nicht, wie es angemessen ist. Soll ich mich tief verneigen - vor dir in den Staub werfen. Oder darf ich auf dich zutreten und einfach die Arme ausbreiten - muss ich warten bis du es tust ? Darf ich einfach "Hallo" sagen oder muss es "Mein Herr, und mein Gott" sein. Soll ein roter Teppich ausgerollt werden, ein Begrüßungskomitee entgegengehen und die Garde antreten ? Brauchst Du eine Eskorte, die dich durch die Straßen bringt ?
Weißt du, bei uns ist es nämlich jetzt gerade nicht günstig. Wir haben Advent und da ist die Hektik ausgebrochen. Im Straßenverkehr, in den Kaufhäusern, bei den Adventmärkten und in den Küchen.

Vielleicht kümmerst du dich vorerst um die anderen in aller Welt, die sich auf Weihnachten vorbereiten, denn wir müssen die Weihnachtsbeleuchtungen anbringen, die Kekse backen, fromme Lieder singen auf den Plätzen und in Kirchen. Natürlich alles zu deiner Ehre und zu deinem Geburtstag, aber das wissen viele gar nicht mehr.

Du brauchst das alles nicht. Du willst das alles nicht, aber ich möchte ein spirituelles Leben führen, gerade jetzt im Advent. Wenigsten einmal im Jahr. Ein Leben, das dir gefällt. Aber wie kann das gehen? Wie empfange ich dich richtig?

O, aller Welt Verlangen und meiner Seelen Zier.
Verlangt wirklich alle Welt nach dir - wie es im Lied heisst ? Vielleicht tut sie es. Vielleicht sehnt sie sich nach dir und weiß es nur noch nicht. Hat Verlangen und kann es nicht benennen. Wie sollen wir dir die gewollte Besinnlichkeit und die gefühlte Besinnungslosigkeit auch erklären ?

Meiner Seele Zier ?
Sollst du mich nun von innen her verzieren - dekorieren ? Wie das in diesen Tagen so üblich ist - mit Lametta und Glitzersternchen. Du sollst mehr sein als Seelendekoration. Du sollst mich von innen her leuchtend machen, strahlen lassen.
O Jesus setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, ich kund und wissend sei.
Lass mir ein Licht aufgehen, dass ich erkenne, worum es geht. Morgen ist der 1. Advent und ich bin noch gar nicht soweit. Gib mir doch bitte einen Hinweis, damit ich kund und wissend sei und bereit zu deiner Ankunft.

"Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß."

Das hatten wir schon einmal, damals in Jerusalem. Als du auf einem Esel in die Stadt geritten kamst und eine jubelnde Menge dir zurief: "Hosianna, dem Sohn Davids, hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe! Die Menge jubelte dir zu und streute grüne Zweige - Palmblätter auf deinen Weg.

Soll ich das nun auch so machen? Wie soll das gehen? Es fehlt an allem. Es fehlt an Palmen, an Eseln und eine begeisterte Menge, die Hosianna ruft, ist auch nicht in Sicht

So will ich dich mit Psalmen ermuntern, das geht schon eher, das kann ich, da gibt's doch 150 davon und manche gefallen mir sehr. Und so verspreche ich:
Mein Herze soll dir grünen. In stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen so gut es kann und weiß.
Wenn es schon keine jubelnde Menge gibt, dann soll wenigstens mein Herz dir zujubeln.
So gut es kann und weiß.

"Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud, als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du mein Heil kommen und hast mich froh gemacht."

Das Lied sagt doch glatt, was hast du unterlassen als ich im größten Leide saß.

Manchmal glaube ich doch, mein Gott, warum hast du mich verlassen, warum hörst du mich nicht - wo bist du Gott. Wenn durch ein Leid mein Glaube erloschen und zu Asche geworden ist - dann seh' ich nur die Asche, nur die Probleme und nur den Russ, obwohl tief drinnen noch Glut versteckt ist.
Ja, Herr, oft habe ich nämlich gar nicht bemerkt, dass du mich durch den Schutt getragen hast, getragen als ich nicht mehr weiterkonnte und die Hoffnung erloschen war, du hast mich so getragen, dass ich keine Fußspuren hinterließ. Du hast mich durchgetragen durchs größte Leid und dann hast du mir neuen Mut gegeben, dass Friede und Freude einkehren konnten, du bist mir entgegengekommen, du mein Heil und hast mich froh gemacht. Amen


H. Fiala